top
logo


Alltäglicher Terror
23. Juli 2010

Im von Israel besetzten Westjordan­land haben israelische Soldaten in der jüdischen Siedlung Barkan am Donnerstag einen Palästinenser erschossen, ein weiterer Mann sei geflohen, heißt es nach Angaben einer Armeesprecherin. Weil sie auf Warnungen nicht reagiert hätten, sei das Feuer eröffnet worden. Soldaten sind nach Angaben der Armeesprecherin in der Siedlung stationiert, um Einbrüche zu verhindern.

Obwohl ein Moratorium für den Bau weiterer israelischer Siedlungen im Westjordanland erst Ende September ausläuft, hat der israelische Vizeregierungschef und Innenminister Eliyahu Yishai am Donnerstag an einer Grundsteinlegung teilgenommen. In einem Industriegebiet südlich von Hebron soll ein Verwaltungsgebäude gebaut werden, das für 15 jüdische Siedlungen mit rund 4500 Bewohnern zuständig sein soll. Öffentliche Gebäude wie Schulen, Krankenhäuser und Synagogen sind von dem Bau­stopp ausgenommen.

Derweil werden palästinensische Wohnungen und Infrastruktur im Westjordanland von Israel weiter zerstört. Anfang der Woche hatte das israelische Militär in den Dörfern Hmayyir und Ein Ghazal im Jordantal 74 Gebäude eingerissen, darunter Wohnungen und Wohnzelte, Koch- und Waschhäuser sowie Ställe. Ebenfalls vernichtet wurden Wassertanks, Weizenvorräte und Viehfutter. 107 Menschen wurden vertrieben, darunter 52 Kinder. Seit Anfang des Jahres wurden nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 198 palästinensische Gebäude im West­jordanland zerstört und 300 Menschen vertrieben. Nach Angaben der israelischen Tageszeitung Haaretz will die Regierung mit den Zerstörungen gegen »illegale« Baumaßnahmen im Gebiet C vorgehen, das rund 60 Prozent der Westbank umfaßt. Israel übt dort die zivile und militärische Kontrolle aus, die rund 150000 Palästinenser, die dort leben, werden mit einer Fülle von Einschränkungen drangsaliert. Bauen dürfen sie so gut wie nicht, gegen die Vertreibungen und Zerstörungen haben sie juristisch kaum eine Handhabe, zumal wenn Israel die Gebiete kurzerhand zur »militärischen Sperrzone« erklärt.

Das Jordantal, nicht zuletzt wegen seines Wasserreichtums die Kornkammer der Region, wurde von Israel 1967 besetzt und fast vollständig zur »militärischen Sperrzone« erklärt. Es ist durch fünf feste israelische Kontrollposten abgesperrt, die nachts geschlossen bleiben. Palästinenser gelangen nur hindurch, wenn sie im Jordantal ihren Wohnsitz haben oder älter als 30 Jahre sind. Gleichzeitig beuten israelische Unternehmen wie der Nahrungsmittelkonzern Agrexco mit Produktmarken wie Carmel, Carmel Bio Top, Jaffa und Ecofresh das Jordantal rücksichtslos aus. So werden die palästinensischen Bauern beispielsweise gezwungen, ihre Produkte den Siedlern gegen Bezahlung zu überlassen, damit diese die Kontrollposten passieren, verpackt und exportiert werden können. Teilweise erhalten die Produkte sogar den Vermerk »Made in Israel«.  ( jW)

 

bottom
top

Neuste Nachrichten

Meistgelesene Nachrichten

Meistgelesene Analysen

Neuste Analysen


bottom

www.muslimrecht.org